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Schwarzschild

Review: “Radius” von Schwarzschild

Die Synthpop-Newcomer 2016 präsentieren ihr Debüt RADIUS

Die Band

Sie sind Jugendfreunde, die beiden Musiker aus Dorsten bzw. Duisburg, kennen sich seit mehr als 20 Jahren und beschlossen vor gut einem Jahr, dunkel geprägten Synthpop zu machen. Sänger Dino hat sich bereits zuvor schon als Sänger einer Irish-Folk-Band und durch diverse Cover-Versionen in der Szene einen Namen gemacht.

Nicht ganz ein Jahr ist es her, dass ich einen der ersten Songs von Sänger Dino Serci und Keyboarder Peter Daams rezensiert habe. IN MEINEM BLUT hat mich damals wie einige andere, jetzt auch auf dem Album enthaltenen Songs in den Bann von SCHWARZSCHILD gezogen. Lebendige, brilliant-klare und frische Synthesizer-Melodien gepaart mit einer charismatischen Gesangsstimme und abgerundet mit hintergründigen Texten fesselten mich von der ersten Minute an.

Schaue ich auf die Hörer-Reaktionen beim damaligen Band-Special beim RSD-Radio zurück wird deutlich, dass die Band eine Nische für sich entdeckt hat und die Hörer begeistert. Es folgten rasch die ersten Chart-Platzierungen und voller Ungeduld und mit großen Erwartungen fiebern nun viele wie ich der Veröffentlichung des Debüt-Album RADIUS entgegen.

Das Album

Interessant gewählt ist der Name des Albums. RADIUS ist ein namentlicher Bezug einerseits auf Karl Schwarzschild, einen Astronom und Physiker, der letztlich auf Grund der Interessen der Band auch als Namensgeber für die Band gewählt wurde und den Schwarzschild-Radius definiert hat. Zudem bildet das Album den kompletten Radius des Lebens ab. Besser kann man sich einen Namen nicht aussuchen.

Zur guten Sitte eines Albums gehört inzwischen ein Intro. SCHWARZSCHILD nutzen die Gelegenheit, um mit GRAVITATIONSWELLE eindrucksvoll auf ihre Kernelemente Science Fiction und frischen Synthpop hinzuweisen. Kurz mal eine Maschinenstimme, dann eine schöne tragende Melodie und wenn es am schönsten wird… Ende. Klar, soll ja auch nur Appetit auf mehr machen. Also weiter mit AUFERSTEHEN. Dieses Lied hat mich damals schon in der noch nicht abgemischten Version begeistert. Von perfekt aufeinander abgestimmter Melodik und Rhythmik getragen, spendiert der im Sprechgesang überbrachte Text das I-Tüpfelchen. Bis der Refrain einsetzt und dem Lied damit das Sahnehäubchen aufsetzt. Eine so bittere Thematik wie Mobbing so gut zu verpacken, ist schon großes Kino.

BIS ZUM ENDE DER ZEIT ist ein Song, den die Band als erste offizielle Single ausgekoppelt hat. Damals hatten sich SCHWARZSCHILD daran versucht, die Stimme von DINO SERCI mit elektronischen Effekten zu verzieren. Das hatte mich damals schon nicht begeistert, denn ich mag eben diese warme, mal sanfte, mal rockende, aber stets klare Stimme. Der Song selber ist top, wenn da diese Verzerrung nicht wär.

Im damaligen Interview erklärte Dino auch, das Thema Vampirismus interessant zu finden und so verwundert es nicht, das Lied RUF DER NACHT auf dem Erstling zu finden. Das Lied thematisiert die Story des Blockbusters “Interview mit einem Vampir” und bildet die Handlung ab, in der Vampir Lestat de Lioncourt den nach Verlust von Frau und Kind lebensmüden Louis de Pointe du Lac durch seinen Biss zum Vampir und somit unsterblich macht. RUF DER NACHT schildert diese Szenerie aus der Sicht von Lestat de Lioncourt.  Das Lied passt sich nahtlos in die Reihe perfekter Liedgestaltung ein. Rhythmik, Melodie, Dynamik, stimmliche Dominanz und klare Artikulation… alles dabei und toll aufeinander abgestimmt.

Mit IN MEINEM BLUT kommen wir nun zu dem Song, der mich zum bekennenden SCHWARZSCHILD-Jünger werden ließ. Nicht nur, dass Dino und Peter sich hier trauen die Thematik Sucht aufzugreifen, sie setzen sie auch perfekt in Musik um. Vom Tempo her mitreißend und kurzweilig, fordert spätestens der Refrain ordentlich zum Mitsingen auf. Sänger Dino gelingt es zudem auch gut, aus der Thematik Verzweiflung, Wut und Verachtung authentisch rüberzubringen. Ganz klar einer der Top-Tracks auf RADIUS.

DER LETZTE WEG ist das nächste gelungene Experiment, mit einer schwierigen Thematik angemessen umzugehen. Langsam, traurig, voller Verzweiflung und doch entschlossen dem leidvollen Leben ein selbst gewähltes Ende zu setzen. Auch hier wieder aus der Sicht des Betroffenen erzählt möchte ich stark hoffen, dass wir hier an die Grenzen der SCHWARZSCHILD´schen Autobiographie gekommen sind. Nahezu undenkbar, aber der Song wird so authentisch präsentiert, dass man meinen muss, einer von den beiden hätte das tatsächlich so erlebt. Übles Thema, toller Song und Gänsehaut pur.

Die Fortsetzung von RUF DER NACHT heißt DAS ERWACHEN (Ruf der Nacht Part 2) und greift das Thema Interview mit einem Vampir wieder auf. Die gleiche Situation, nur erzählt jetzt der frisch gebissene Vampir Louis de Pointe du Lac von seinem Start in die Unsterblichkeit. Und wieder präsentiert Dino in seinem Gesang Faszination, Verwunderung, aber auch Zuversicht und Übermut absolut glaubwürdig und geradezu fühlbar. Heute Abend muss ich mir ersteinmal wieder den Film anschauen. Vielen Dank Ihr zwei ! 🙂

Dunkel und bedrohlich erklingt MEIN FEIND. Ein stampfender Drumbeat, klarer und effektbeladener Gesang im Wechsel berichten vom Kampf im Inneren mit sich selbst. Ich bin mir sicher, dass dieses Lied auf den Tanzflächen sehr gut ankommen wird. Dass Dino Serci auch gefühlvolle Balladen sehr gut kann, hat er in seiner musikalischen Laufbahn schon mehrfach eindrucksvoll bewiesen. Dass er das mit Band-Partner Peter auch für SCHARZSCHILD perfekt umsetzen kann, beweist HEUTE. Eine wahnsinnig gefühlvolle Ballade die von der instrumentellen Begleitung stellenweise geradezu spartanisch wirkt und so das Ohrenmerk nahezu vollständig auf Text und Gesang lenkt. Wer bei DER LETZTE WEG schon Gänsehaut bekam, erlebt jetzt den nächsten Kälteschauer. Augen zu und mitleiden; richtig gutes Lied!

Kommen wir nun zum Kernthema der Band – Science Fiction und die Frage, ob wir wirklich alleine in der Galaxie sind. Darüber ließe sich trefflich streiten, nicht aber über den treibenden und abwechslungsreichen Beat des Liedes. WIR SIND NICHT ALLEIN gehört definitiv in die Clubs und wird dort ganz sicher begeistern. Aktueller den je ist die Thematik Überforderung im Alltag, sei es beruflicher oder privater Natur, dem gesellschaftlichen Zwang folgend stets völlig Herr der Lage vorgaukelnd und Freude strahlend durch die Welt zu funktionieren. Hier kommt das perfekt inszenierte Lied ZUVIEL LEBEN ins Spiel. Ganz ehrlich: wer sich in diesem Song nicht wiederfindet, hat entweder sein Leben schon lange hinter sich oder eine Armada an Dienstboten 😉

Zur Auskopplung der Single BIS ZUM ENDE DER ZEIT konnten sich andere Bands mit Remixes einbringen. Einer davon kommt von Ray Of Hope und kann sich auch echt hören lassen. Ein wenig lebendiger als das Original, halt ein wenig anders und trotzdem echt gut.

Fazit

Das lange Warten hat sich gelohnt und Freunde des frischen, deutsch gesungenen Synthpops werden sicherlich genau so begeistert sein, wie auch ich. Nicht zu Unrecht stürmte schon die Debüt-Single in die Charts und ich bin echt gespannt, wie das Album einsteigen wird. Ein Erstling an dem es überhaupt nichts zu meckern gibt, denn die Musik ist perfekt arrangiert und abgemischt, die Texte aus dem Leben heraus gegriffen, so dass sich wirklich jeder irgendwo wiederfindet. RADIUS hat definitiv das Potential, eine der besten Scheiben des Jahres zu werden. Zu gönnen wäre es SCHWARZSCHILD auf jeden Fall!

Line-Up

Gesang: Dino Serci
Keyboard/Programming/Mixing: Peter Daams

Nächste Gigs

13.05.2017 Radius Release-Konzert Crowded House, Oberhausen
20.05.2017 Absintheria Sixtina, Leipzig
08.07.2017 In Darkness Festival Parkhaus Meiderich, Duisburg
02.09.2017 Electronic Evolution vol 1, Garage Peine
30.11.2017 Benefiz 5.0, Kulttempel Oberhausen
05.11.2017 Electronic Sounds Vol.1, Blue Shell, Köln

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https://www.youtube.com/channel/UCug-sEUq2X-VT5O6rMpdE3Q

Bilder: Promo-Kit

x-o-planet

Review: Album “Passengers” von X-O-Planet

X-O-Planet: Spaciger, dunkler und absolut gelungener Synthpop

Die Band

X-O-PLANET wurde Anfang 2016 von Manja und Goderic gegründet. Beide eint nicht nur die Liebe zueinander, sondern auch zur dunkel geprägten, elektronischen Musik, verbunden mit dem Interesse an Science Fiction, aber auch den echten Hintergründen, Entdeckungen und Theorien über unser Universum. Was liegt also näher, als uns Hörer und Fans auf dieser Reise durch den unendlichen, dunklen Kosmos mitzunehmen. Wir sind dann wohl die Passengers von X-O-PLANET.

Manja ist in der Musikwelt sicherlich alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Sie wirkte vor X-O-PLANET schon in einigen anderen Bands mit und prägte deren Musik mit ihrer Stimme. Gruppen wie Attrition, Weltenbrand oder auch Jesus On Extasy sind Haltestellen ihres Musikerlebens, wie aber auch die Tatsache, seit 2008 die Sängerin der Band X-Perience zu sein. Bei X-O-PLANET steuert Manja die Texte und den Gesang bei.

Multi-Instrumentalist Goderic kümmert sich um die klangliche Ausgestaltung der Band-Werke. Ursprünglich noch in den Kinderschuhen an der Kirchenorgel, erlernte er später Gitarre und Bass, um dann noch an analogen Synthesizern sein Talent für die elektronischen Klänge zu erweitern.

Das Album

Werden wir nun zu Passagieren und lassen uns mitnehmen…. auf die Reise von und mit X-O-PLANET. Die PRELUDE stimmt eindrucksvoll und vom ersten Klang auf die Thematik des Extraterristischen ein. Sprachfetzen ergänzen diese Einführung und stellen kurz X-O-PLANET vor. Die Vermischung von Album-Thematik und kurzer Band-Vorstellung ist genial gelungen. CAN´T SUSTAIN beginnt sogleich angenehm im Tempo und besticht vom ersten Moment an mit brilliant klaren Synths und wirklich spannenden, zur Thematik Weltraum passenden Effekten. Wohlig warm und wohl artikuliert sich alsbald Manja und findet sich in der fließenden Melodik sehr gut ein. Während ein EXOPLANET ein Himmelskörper außerhalb unseres Sonnensystems ist und nicht von der Sonne angezogen wird, bleibt das Lied stilistisch sehr nah an dem vorigen dran.

Auch SEEK AND HIDE sticht dann wieder heraus, denn der Gesang trägt einen schön fließend durch den Song. Für meinen Geschmack ist die Balance zwischen Musik und Gesang etwas grenzwertig. Stellenweise scheint Manja hinter den Instrumenten anstehen zu müssen. Vielleicht ist das in SEEK AND HIDE auch so gewollt, aber es wäre ein Jammer, müsste der Gesang in den Hintergrund weichen. Mit PASSENGERS hören wir nun den Titeltrack, der sich komplett von den bisherigen Songs absetzt. Kuschelsynth war vorher, jetzt wird es etwas rumpeliger, etwas eckiger. Ich hoffe Manja und Goderic mögen das 80/90er-Sternchen Sandra so wie ich, denn als Manja mit dem Gesang einsetzt, wurde ich direkt ein wenig an Sandra erinnert, was durchaus an dem deutlich poppigeren Auftritt von PASSENGERS liegen könnte.

Wieder mit etwas weniger Tempo und insgesamt ruhigeren Tönen holt uns die INTERLUDE auf den Bodes des Albums zurück. Und wieder steht Manja mit ihrer tollen Stimme im Hintergrund. Allerdings passt das diesmal hervorragend und ist ganz sicher so gewollt. Genug ausgeruht und geträumt, REMEMBER läuft an und bietet einiges an Vertrautheit. Wieder ist es der Gesang der mich an etwas erinnert. Diesmal sehe ich Constance Rudert im damaligen Blutengel-Stil singen. Nur mit einem wichtigen Unterschied: Manja kann singen. Insgesamt gefällt mir dieser Song ohne Ecken und Kanten recht gut, ist aber gefährlich nah am Stil der Berliner Gothic-Formation.

x-o-planetANYWAY, der nächste Song auf PASSENGERS kommt echt stramm daher. Klanglich mit wirklich feinen Effekten verziert, sehr angenehmem Rhythmus und einem wahrlich Ohrwurm verdächtigen Refrain. Das wirklich gemeine an Dark Electronic ist, dass letztlich alle Musiker technisch irgendwo auf das gleiche Repertoire zurück greifen und sich daher schnell Ähnlichkeiten einschleichen. Deswegen stelle ich es mir wahrlich nicht einfach vor,  frische, neue Musik zu schaffen, die nicht irgendwelchen Ähnlichkeiten erliegt. In VICE VERSA singt nun erstmals Goderic dominant den Song, während Manja zum Refrain einsetzt. Während er mit einem samt growlenden Sprechgesang aufwartet, setzt sie mit ihrer glasklaren Stimme einen wunderschönen Kontrast.

Das beste kommt oftmals zum Schluss und so offenbare ich mich als Fan von OUTERSPACE. Hier sammeln X-O-PLANET noch einmal alles schöne ihres Debüt-Albums zusammen und schaffen daraus ein wirklich tolles, abwechslungsreiches Lied. Sehr angenehm wird von Anfang an recht wenig Tempo vorgelegt, ohne aber jetzt zu einer baladesken Nummer zu verkommen. Die Melodie fließt schön dahin, Manja singt den Hauptteil, Goderic kommt im Refrain unvergrummelt dazu. Ein paar Effekte obendrauf und zum Songende noch einmal richtig langsam werden. Denn jetzt folgt die POSTLUDE, das Ende des Albums im Stil der Prelude.  Dieses Stück lässt das eben gehörte Album, mit Einspielern unterlegt, noch einmal Revue passieren. Sehr beeindruckend die wohl dosiert eingesetzten, aber dafür brachialen Bass-Drums. Von denen hätte ich gerne ein wenig mehr gehört..

Fazit

Jetzt sitze ich hier, mit Kopfhörern auf dem grübelnden Kopf und weiß nicht recht, wie ich es schreiben soll. PASSENGERS ist ein tolles Album, dass es einem aber nicht wirklich einfach macht, geht es um eine faire Rezension. Eines ist klar: wir haben hier ein Album voller ehrlicher, guter, tanzbarer Musik, voller Herzblut und einem wirklich professionellen Auftritt. Warum also mein Hadern? Nun…. ich unterstelle Goderic und Manja auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung, das Album bewusst so abgemischt zu haben. Warum nun Manja´s Gesang manchmal ein wenig in der Musik untergehen soll… ich werde sie es in meiner Sendung fragen müssen. Ansonsten kämpfen X-O-PLANET ein wenig mit der Schwierigkeit, ähnlich zu werden. Ganz deutlich: keines der Lieder klingt abgekupfert oder gar am Stil einer anderen Band bedient. Und doch gab es diese zwei Momente mit Ähnlichkeiten zu anderen Gruppen. Ich bin mir sicher, dass die beiden uns auch zukünftig mit feinster elektronischer Musik begeistern werden. Denn begeistert bin ich von PASSENGERS zweifelsohne. Und wer weiß, vielleicht gibt es bis dahin X-O-PLANET mit weiteren Facetten.

Wer die Band live im Interview erleben möchte, hat am 28.6.2017 in meiner Sendung die Möglichkeit dazu.

Nächste Auftritte

30.04.2017
Intent:Outtake und X-O-Planet live zur Walpurgisnacht 30. April – 1. Mai
4rooms Leipzig, Sachsen

Sa., 13.05.2017 21:00
X-O-Planet Live in Bonn
Musikclub Session

21.07.2017
Art of Dark – Days
21. Juli – 23. Juli
Art Of Dark Köln, Nordrhein-Westfalen

Do., 07.09.2017 19:00
Decoded Feedback, ROOT4 & Guest
Nachtleben Frankfurt

Fr ., 08.09.2017 19:00
Decoded Feedback & Guests live in Rockpalast Bochum

Line-Up

Manja Kaletka (Text, Gesang)
Goderic Northstar (Musik, Keyboard, Programming, Mixing)

Homepage: http://www.x-o-planet.com
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Youtube: http://www.youtube.com/c/Xoplanet_electronica
E-Mail: kontakt@x-o-planet.de