• Info@Dirk-Busse-Musik.de

“Wir leben noch” von BANDGESCHWiSTER

“Wir leben noch” von BANDGESCHWiSTER

Die Band

BandgeschwisterDie BANDGESCHWiSTER fanden und gründeten sich 2009 im niedersächsischen Einbeck, sind aber keine “echten” Geschwister. Verfolgt man ihre Social-Media-Aktivitäten, könnte man allerdings einen “engen” Zusammenhang durchaus vermuten, verbringen sie doch sehr viel Zeit miteinander. Vor allem zeichnen sich die beiden Musiker durch eine Mischung aus Professionalität, Fannähe, Verbissenheit, Zielstrebigkeit bis zur kurz vor Selbstaufgabe und revolutionärer Respektlosigkeit aus. Ihre Musik spielt irgendwo zwischen Deutschem Rock und Pop und ist von Grund auf ehrlich und direkt.

Das Album

Nun debütieren Nils und Sabine mit “Zwischen den Zeilen”, ihrem am 16.04.2018 veröffentlichtem Erstlings-Album. Und die BANDGESCHWiSTER starten gleich rotzefrech mit dem Uptempo-Titeltrack “Wir leben noch”. In mir keimt die Frage auf, mit wem die beiden mit diesem Lied gerade abrechnen. Was mir extrem gut gefällt ist, wie Sängerin Bine  mit Ihrer Stimme kokettiert. Mal “bitchig”, mal aggressiv, dann zart säuselnd….. sie kann es. Und auch noch echt überzeugend. Musikalisch ist auch alles mehr als passend dabei, der Song “rockt” einfach. Ins gleiche Horn blasen dann auch “Scherbenmeer”, der ein wenig an die Guano Apes erinnert aber nicht abgekupfert klingt und “Du zuerst”

Mit “Du zuerst” erreichen wir nun den Bereich der musikalischen, im Tempo durchaus variablen Lebenshilfe. Manchmal zuerst an sich denken und einen Song weiter warnt die Frontlady Bine vor einer Geschlechtsgenossin, damit sich der arme nicht an sie verschwendet. Grenzt ja thematisch schon fast an Hochverrat, kommt aber textlich wie musikalisch saugut und authentisch rüber. “Trau Ihr nicht” ist dann auch das Lied, in dem ich das erste Mal ganz bewusst synthetische Klänge wahrnehme. Diese Mixtur setzt sich im “Trophäensammler” fort, in dem am Ende aber auch wieder smart abgerechnet wird. 

Bandgeschwister

(c) SRG Fotografie

“Zeit”…. wer hat sie schon? Die BANDGESCHWiSTER übrigens auch nicht, denn mit diesem Song fordern sie uns auf, sich endlich mal Zeit für die wichtigen Dinge und vor allem Menschen zu nehmen. Tja… und dann kommt jetzt ein deutlich ruhigerer Song: “Ohne Dich”. Irgendwie steht mir das Lied zu sehr im Kontrast zu den vorigen. Ein tolles und wunderschönes “Danke, dass es Dich gibt” und sicherlich auch musikalisch echt perfekt dargeboten, aber für einen Song der BANDGESCHWiSTER fast schon zu artig. Aber schön….. 

Absolut authentisch hingegen wieder “Zwischen den Zeilen”. Zwar auch sehr ruhig und bedrückend, kommt er ohne großes Tempo direkt aus den Geschwister-Herzen in die unsrigen, trägt aber diese unverkennbare BANDGESCHWiSTER-Handschrift. Wer kennt das nicht? Irgendwann kommt der Augenblick, wenn die Schmetterlinge nicht mehr fliegen und man den “echten” Menschen erkennt. Zwischen den Zeilen war es schon vorher hörbar, aber jetzt kommt es dicke. 

Hey, der Kerl hat ja Stimme und geht vorne weg… Nils, das instrumentale Multitalent und sonst Backingvocal wagt den Sprechgesang und rockt den Song. Sabine trumpft dann im Refrain von “Frei” gewissermaßen als Sahnehäubchen auf, als würde sie aus einer Sahnetorte springen…. sie ist frei und ja… wehe wenn sie losgelassen. “Ich bin wieder ich” ist sowas von 1000%ig BANDGESCHWiSTER, wie die Schlümpfe von Vadder Abraham. Volle Kanne Gefühl, wieder ein mitreißender Tempowechsel, fette Riffs….. 

Bandgeschwister“Wir sind weg” schürt ein wenig Sorge in mir. Wo wollen sie denn hin? “Wir sind weg und kommen erstmal nicht zurück!” lässt einen Böses erahnen, wenn gleich ich auch hier wieder eine zwischenzeilige Abrechnung vermute. Ein Ruf nach Unabhängigkeit, Ausbrechen aus Beschränkungen und Kleinhalten…. finde ich grundsätzlich gut, aber bitte bleibt doch bei uns.

Die BANDGESCHWiSTER Sabine und Nils haben in all den bisher gehörten Songs ihre Experimentierfreudigkeit unter Beweis gestellt. Das liegt ihnen, das können sie sehr gut. Und auch wenn ich echt selten in meinen Reviews herum moser… so ganz ohne geht es manchmal leider nicht. Der letzte Song “Scary Silence” klingt für mich wie ein Testballon. Mit Effekten voll gepackt wie eine Umzugskiste, dazu dann für Bine und Nils untypisch auf englisch gesungen, klingt er ein wenig wie eine Mischung aus Dirty Diana und einer Teufelsaustreibung. Wobei ich nicht sagen möchte, dass ich den Song scheiße finde. Die Lady am Mikrofon präsentiert hier wieder die Bandbreite ihrer Stimme bis hin zu einer Rockröhre, die Musik unterstreicht die Stimmung des Songs auch handwerklich echt gut. Irgendwie gefällt mir “Scary Silence” von mal zu mal besser, aber neeeee, das ist nicht mein Song und hoffentlich wirklich nur ein Versuch anzutesten, wie englische Texte und “ganz andere” Musik bei den Fans ankommen.

Fazit

Da haben sie schon echt etwas ordentliches abgeliefert. Als ich das Album das allererste Mal hörte, saß ich im Auto und machte nahezu fremdgesteuert lauter und wippte mit, die Finger spielten Drums auf dem Lenkrad und ich hatte die ganze Fahrt über eine saugute Zeit. Jetzt habe ich das Album sicherlich gute zwanzig Mal gehört und bereue nicht eine Minute. “Wir leben noch” zeigt die verschiedenen Seiten der BANDGESCHWiSTER und überzeugt vom ersten bis zum vorletzten Song. Handwerklich passt alles perfekt und die Songs sind mit viel Liebe gelungen abgemischt. Stimme top, Musik top, Texte top, Fazit…… over the top !

Tracklist

01 – Wir leben noch
02 – Scherbenmeer
03 – Du zuerst
04 – Trau ihr nicht
05 – Trophäensammler
06 – Zeit
07 – Ohne Dich
08 – Zwischen den Zeilen
09 – Frei
10 – Wieder ich
11 – Wir sind weg
12 – Scary Silence

Tourdaten

05.05.2018 Kaltenkirchen
08.06.2018 Osterode (unplugged)
16.06.2018 Posthausen
31.07.2018 Hannover
11.08.2018 Osterode

Line-Up

Sabine Vogel
Nils Schelm

Web

http://Bandgeschwister.de
https://www.facebook.com/bandgeschwister/
https://www.instagram.com/bandgeschwister/

Facebooktwittergoogle_plustumblr
Dirk

%d Bloggern gefällt das: