Monatsarchiv 29. April 2018

“Wir leben noch” von BANDGESCHWiSTER

Die Band

BandgeschwisterDie BANDGESCHWiSTER fanden und gründeten sich 2009 im niedersächsischen Einbeck, sind aber keine “echten” Geschwister. Verfolgt man ihre Social-Media-Aktivitäten, könnte man allerdings einen “engen” Zusammenhang durchaus vermuten, verbringen sie doch sehr viel Zeit miteinander. Vor allem zeichnen sich die beiden Musiker durch eine Mischung aus Professionalität, Fannähe, Verbissenheit, Zielstrebigkeit bis zur kurz vor Selbstaufgabe und revolutionärer Respektlosigkeit aus. Ihre Musik spielt irgendwo zwischen Deutschem Rock und Pop und ist von Grund auf ehrlich und direkt.

Das Album

Nun debütieren Nils und Sabine mit “Zwischen den Zeilen”, ihrem am 16.04.2018 veröffentlichtem Erstlings-Album. Und die BANDGESCHWiSTER starten gleich rotzefrech mit dem Uptempo-Titeltrack “Wir leben noch”. In mir keimt die Frage auf, mit wem die beiden mit diesem Lied gerade abrechnen. Was mir extrem gut gefällt ist, wie Sängerin Bine  mit Ihrer Stimme kokettiert. Mal “bitchig”, mal aggressiv, dann zart säuselnd….. sie kann es. Und auch noch echt überzeugend. Musikalisch ist auch alles mehr als passend dabei, der Song “rockt” einfach. Ins gleiche Horn blasen dann auch “Scherbenmeer”, der ein wenig an die Guano Apes erinnert aber nicht abgekupfert klingt und “Du zuerst”

Mit “Du zuerst” erreichen wir nun den Bereich der musikalischen, im Tempo durchaus variablen Lebenshilfe. Manchmal zuerst an sich denken und einen Song weiter warnt die Frontlady Bine vor einer Geschlechtsgenossin, damit sich der arme nicht an sie verschwendet. Grenzt ja thematisch schon fast an Hochverrat, kommt aber textlich wie musikalisch saugut und authentisch rüber. “Trau Ihr nicht” ist dann auch das Lied, in dem ich das erste Mal ganz bewusst synthetische Klänge wahrnehme. Diese Mixtur setzt sich im “Trophäensammler” fort, in dem am Ende aber auch wieder smart abgerechnet wird. 

Bandgeschwister

(c) SRG Fotografie

“Zeit”…. wer hat sie schon? Die BANDGESCHWiSTER übrigens auch nicht, denn mit diesem Song fordern sie uns auf, sich endlich mal Zeit für die wichtigen Dinge und vor allem Menschen zu nehmen. Tja… und dann kommt jetzt ein deutlich ruhigerer Song: “Ohne Dich”. Irgendwie steht mir das Lied zu sehr im Kontrast zu den vorigen. Ein tolles und wunderschönes “Danke, dass es Dich gibt” und sicherlich auch musikalisch echt perfekt dargeboten, aber für einen Song der BANDGESCHWiSTER fast schon zu artig. Aber schön….. 

Absolut authentisch hingegen wieder “Zwischen den Zeilen”. Zwar auch sehr ruhig und bedrückend, kommt er ohne großes Tempo direkt aus den Geschwister-Herzen in die unsrigen, trägt aber diese unverkennbare BANDGESCHWiSTER-Handschrift. Wer kennt das nicht? Irgendwann kommt der Augenblick, wenn die Schmetterlinge nicht mehr fliegen und man den “echten” Menschen erkennt. Zwischen den Zeilen war es schon vorher hörbar, aber jetzt kommt es dicke. 

Hey, der Kerl hat ja Stimme und geht vorne weg… Nils, das instrumentale Multitalent und sonst Backingvocal wagt den Sprechgesang und rockt den Song. Sabine trumpft dann im Refrain von “Frei” gewissermaßen als Sahnehäubchen auf, als würde sie aus einer Sahnetorte springen…. sie ist frei und ja… wehe wenn sie losgelassen. “Ich bin wieder ich” ist sowas von 1000%ig BANDGESCHWiSTER, wie die Schlümpfe von Vadder Abraham. Volle Kanne Gefühl, wieder ein mitreißender Tempowechsel, fette Riffs….. 

Bandgeschwister“Wir sind weg” schürt ein wenig Sorge in mir. Wo wollen sie denn hin? “Wir sind weg und kommen erstmal nicht zurück!” lässt einen Böses erahnen, wenn gleich ich auch hier wieder eine zwischenzeilige Abrechnung vermute. Ein Ruf nach Unabhängigkeit, Ausbrechen aus Beschränkungen und Kleinhalten…. finde ich grundsätzlich gut, aber bitte bleibt doch bei uns.

Die BANDGESCHWiSTER Sabine und Nils haben in all den bisher gehörten Songs ihre Experimentierfreudigkeit unter Beweis gestellt. Das liegt ihnen, das können sie sehr gut. Und auch wenn ich echt selten in meinen Reviews herum moser… so ganz ohne geht es manchmal leider nicht. Der letzte Song “Scary Silence” klingt für mich wie ein Testballon. Mit Effekten voll gepackt wie eine Umzugskiste, dazu dann für Bine und Nils untypisch auf englisch gesungen, klingt er ein wenig wie eine Mischung aus Dirty Diana und einer Teufelsaustreibung. Wobei ich nicht sagen möchte, dass ich den Song scheiße finde. Die Lady am Mikrofon präsentiert hier wieder die Bandbreite ihrer Stimme bis hin zu einer Rockröhre, die Musik unterstreicht die Stimmung des Songs auch handwerklich echt gut. Irgendwie gefällt mir “Scary Silence” von mal zu mal besser, aber neeeee, das ist nicht mein Song und hoffentlich wirklich nur ein Versuch anzutesten, wie englische Texte und “ganz andere” Musik bei den Fans ankommen.

Fazit

Da haben sie schon echt etwas ordentliches abgeliefert. Als ich das Album das allererste Mal hörte, saß ich im Auto und machte nahezu fremdgesteuert lauter und wippte mit, die Finger spielten Drums auf dem Lenkrad und ich hatte die ganze Fahrt über eine saugute Zeit. Jetzt habe ich das Album sicherlich gute zwanzig Mal gehört und bereue nicht eine Minute. “Wir leben noch” zeigt die verschiedenen Seiten der BANDGESCHWiSTER und überzeugt vom ersten bis zum vorletzten Song. Handwerklich passt alles perfekt und die Songs sind mit viel Liebe gelungen abgemischt. Stimme top, Musik top, Texte top, Fazit…… over the top !

Tracklist

01 – Wir leben noch
02 – Scherbenmeer
03 – Du zuerst
04 – Trau ihr nicht
05 – Trophäensammler
06 – Zeit
07 – Ohne Dich
08 – Zwischen den Zeilen
09 – Frei
10 – Wieder ich
11 – Wir sind weg
12 – Scary Silence

Tourdaten

05.05.2018 Kaltenkirchen
08.06.2018 Osterode (unplugged)
16.06.2018 Posthausen
31.07.2018 Hannover
11.08.2018 Osterode

Line-Up

Sabine Vogel
Nils Schelm

Web

http://Bandgeschwister.de
https://www.facebook.com/bandgeschwister/
https://www.instagram.com/bandgeschwister/

Sven Rebentisch

Review: “7” Trauer ist Tanzbar Vol. 2 – Sven Rebentisch

Sven RebentischDie Band

Wer die Musik von Sven Rebentisch kennt weiß, dass er nicht nur musikalisch gerne polarisiert und alles andere als Mainstream spielt. Eine Mischung aus Techno, Dark Wave und einem Hauch EBM zwingen förmlich zum Tanzen und Feiern. Berühmt berüchtigt sind auch seine Texte, die es für gewöhnlich absolut in sich haben und nicht nur durch die Ausdrucksstärke des charismatischen Wahl-Berliners lebendig werden. Vielmehr pfeffert er deutliche Worte ungeschönt in sein Gegenüber. Ihm geht es hier einzig darum, verstanden zu werden. Für meinen Teil kann ich behaupten: ich habe verstanden. Tanzen, feiern und textlich “voll in die Fresse” kann funktionieren. Sehr gut sogar.

Das Album

Fünf Jahre nach Veröffentlichung der EP “7” Trauer ist Tanzbar Vol. 1 folgt nun die Fortsetzung der Fesselung des geneigten Zuhörers durch Musik und Lyrik. Am Freitag dem 13. April 2018 veröffentlichte Ausnahmemusiker SVEN REBENTISCH nun die Vol.2 von “7” Trauer ist tanzbar, die er zusammen mit MAX MOMENTUM erschaffen hat.

Auf der neuen EP finden sich neue Songs, aber auch Neuinterpretationen “alt”bewährter Lieder wie z.B. Durch Dich und Sommertraum.

Rebentisch

(c) Gosia Budig http://Gosia-Budig.com

Nicht dass ich es anders erwartet hätte, sprudelt mir eine kurzweilige Zeit des Kontrastes in die Ohren. Stampfende Beats und ein Hauch aggressiven Nachdrucks in einem Lied, folgt alsbald ein leichtfüssiger Dance-Track und holt mich aus der anfliegenden Melancholie zurück. 28 Minuten emotionales Auf und Ab…. Vielen Dank Herr Rebentisch 🙂

Da ist diese Mischung aus Lebensfreude und dem Sumpf tiefster Melancholie, himmelhoch jauchzend und bitter böse abrechnend, die Sven Rebentisch für mich so greifbar macht. Und mir den Menschen Sven Rebentisch auch erklärt und verständlich macht, durfte ich doch ein Interview mit ihm führen, was nicht nur Antworten lieferte, sondern durchaus auch neue Fragen aufwarf. Hört man genau zwischen die Zeilen seiner Lieder, lässt er uns reichlich in sein Innerstes schauen, hören und fühlen.

Fazit

An der EP “7” Trauer ist Tanzbar Vol. 2 gibt es so rein gar nichts auszusetzen. Musikalisch auf höchstem Niveau arrangiert, die Texte klar artikuliert und zum Mitfühlen lebendig. Die Neuinterpretationen älterer Songs sind keine Umetikettierung auf ein aktuelles Jahr, sondern mit viel Liebe zum Detail tatsächlich neu aufgelegt. Meine Highlights sind ganz klar Boderliner Bipolar, Sommertraum und Durch Dich.

Der absolute Clou: die EP kann kostenlos heruntergeladen werden. https://rebentisch.bandcamp.com/album/rebentisch-max-momentum-7-trauer-ist-tanzbar-vol-2

Tracklist

1 – Letzter Anblick (Super polyneuropathy dance mix)
2 – Durch Dich (Cruising Area rmx)
3 – Reis(s)ende Gedanken (Dreaming at the north sea rmx)
4 – Sommerrtraum (Special amok on earth rmx)
5 – Angst (Dancing over the rainbow bridge rmx)
6 – Dein Biss (Meet him at the fuckparade rmx)
7 – Borderliner Bipolar (Suck your stalker rmx)

Web

http://www.rebentisch-music.eu/
https://www.facebook.com/TrauerIstTanzbar/
https://rebentisch.bandcamp.com/

https://www.youtube.com/channel/UCVDUcbDdE4J-Qx_020KIvBw

 

Quellen:

Cover: Band-Page
Konzert-Bild: Gosia Budig http://Gosia-Budig.com

#BerlinBrennt – Interview jetzt online

 

Seit Jahren sind viele der Mißstände bekannt, in den letzten Monaten potenzierten sie sich auf ein für die Feuerwehrfrauen- und männer nunmehr unerträgliches Maß. Deswegen machen die Kollegen derzeit mit einer Mahnwache vor der Roten Rathaus auf sich aufmerksam. Hierüber sprach ich mit dem Betriebsgruppensprecher der VERDI Stefan Ehricht

Sondersendung: #BerlinBrennt – Montag 02.04.18 22:00 Uhr

Die Berliner Feuerwehr ist am Limit – #BerlinBrennt

Seit Jahren sind viele der Mißstände bekannt, in den letzten Monaten potenzierten sie sich auf ein für die Feuerwehrfrauen- und männer   nunmehr unerträgliches Maß. Deswegen machen die Kollegen derzeit mit einer Mahnwache vor der Roten Rathaus auf sich aufmerksam.

Aus diesem Grunde widme ich eine Ganze Sendung der Initiative #BerlinBrennt. Inhaltlich wird das ganze mit einem Interview mit einem der Organisatoren, Stefan Ehricht komplettiert.

Die Sendung läuft am

Montag, 02. April 2018 um

22:00 Uhr.

Zu hören auf den Streams von RockPopWelle, Dark-Metal-Radio und RSD-Radio.

Player-Links:

http://Laut.FM/RockPopWelle

http://Laut.FM/Dark-Metal-Radio

http://RSD-Radio.de/Radioplayer/Player.html